Seid lieb!

Der Roman, der die Inspiration zum »Seid lieb!«-Projekt war

2013 fiel mir John Nivens Roman »Gott bewahre« in die Hände. Ich verschlang dieses Buch und es wurde zu meiner Inspiration für dieses Projekt.

Für manchen Christen mag der Roman die pure Blasphemie sein: Gott flucht was das Zeug hält, Jesus zieht mit Jimi Hendrix schon mal einen Joint durch, während er sich von ihm Gitarren-Riffs beibringen lässt und die himmlische Zentrale ist ein riesiges Großraum-Büro – wenn auch ein sehr schönes, in dem gefühlt jeden Tag Freitagnachmittag ist.

›Da kommt Gott – tut so, als wärt ihr beschäftigt.‹ Denn Gott ist stinksauer. Nachdem Er sich im Himmel eine einwöchige Auszeit für einen Angelurlaub gegönnt hat, kehrt Er nach etwa vierhundertfünfzig Jahren (ein Tag im Himmel entspricht 57 Erdenjahren) wieder zurück an Seinen Schreibtisch und muss mitansehen, wie die Erde in der Zwischenzeit den Bach runtergegangen ist. Umweltsünden, Kriege, moralischer Verfall, kirchliche Hassprediger, skrupellose Kommerzialisierung – die Menschen sind auf dem besten Weg, sich selbst zu zerstören. Und so bleibt Gott nichts anderes übrig, als Seinen Sohn Jesus Christus, dem es im Himmel blendend geht und der mit Jimi Hendrix Gitarre spielt und Joints raucht, wieder auf die Erde zu schicken, um Gutes zu tun und das einzig wahre Gebot SEID LIEB zu predigen. Widerwillig landet Jesus in New York und versucht zunächst erfolglos als Sänger und Gitarrist in einer Rockband Gehör zu finden. Derweil schart er seine ersten Jünger um sich – Drogenabhängige, Gescheiterte, Obdachlose, denen er zu helfen versucht. Als seine Mission, die Massen zu erreichen, zu scheitern droht, greift er zum letzten Mittel: Er nimmt an einer Castingshow teil. Damit beginnt eine denkwürdige Odyssee quer durch Amerika.

Gott bewahre, John Niven, Heyne Verlag

Ich halte diesen Roman für das witzigste und schönste Buch über die Nächstenliebe, das ich je gelesen habe.

Das Buch steckt voller böser, sehr lustiger Ideen, es ist blasphemisch, schamlos, und es entlarvt mit seiner neuen Passionsgeschichte falsche Propheten, Doppelmoral und Kapitalismus.

taz

Das Buch ist als Taschenbuch (400 Seiten) im Heyne-Verlag erschienen (aus dem Englischen »The second coming«) und in der Buchhandlung Deines Vertrauens erhältlich.